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Du hast monatelang deinen Prototypen perfektioniert. Du hast den Stückpreis bis auf den letzten Cent heruntergehandelt. Der Hersteller schickt dir den endgültigen Vertrag, und direkt neben dem Preis stehen drei zufällige Buchstaben: EXW. Oder vielleicht FOB. Oder DDP.
Du gehst davon aus, dass es sich um Standard-Juristensprache handelt, unterschreibst und überweist die Anzahlung.
Spulen wir drei Wochen vor: Deine Fracht steckt in einem Hafen in Shenzhen fest, der Lieferant geht nicht ans Telefon, und der Zoll verlangt ein Dokument, von dem du noch nie gehört hast. Noch schlimmer? Wenn dieses Schiff sinkt, könntest du rechtlich für unversicherte Fracht haftbar gemacht werden, die nun auf dem Grund des Ozeans liegt.
Willkommen in der Welt der Incoterms (International Commercial Terms). Auch wenn sie wie Buchstabensalat aussehen, bilden diese aus drei Buchstaben bestehenden Akronyme das absolute Fundament deiner Lieferkette. Sie fungieren als universeller Vertrag, der genau zwei Dinge definiert:

  1. Wer bezahlt was entlang der Transportroute.
  2. Zu welchem genauen Zeitpunkt das Risiko (die Haftung) vom Verkäufer auf den Käufer übergeht.

Die Wahl der falschen Buchstaben kann deine Margen zerstören oder dein Startup massiven Risiken aussetzen. Hier ist die leicht verständliche Aufschlüsselung der drei häufigsten Incoterms, die Startups verwenden, und derjenige, für den du eigentlich verhandeln solltest.

EXW (Ex Works / Ab Werk) — Die „Do It Yourself“-Falle

Was es bedeutet: Der Lieferant stellt dein Produkt her, verpackt es in einem Karton und lässt es an seiner eigenen Laderampe stehen. Das war’s. Sein Job ist erledigt.
Die Realität für Gründer: Ab dem Moment, in dem dieser Karton auf dem Fabrikboden steht, ist es zu 100 % dein Problem. Du musst einen lokalen LKW in einem fremden Land mieten, die dortigen Exportzoll-Prozesse navigieren, die Fracht zum Hafen bringen, sie auf ein Schiff verladen und nach Europa transportieren. Wenn der LKW auf dem Weg zum Hafen in China verunglückt, verlierst du dein Geld.
Das Fazit für Startups: Vermeide EXW. Es sei denn, du hast ein dediziertes, hocherfahrenes Logistikteam vor Ort im Land deines Lieferanten. Andernfalls bürdet dies deinem Startup von der ersten Minute an maximale Haftung und administrativen Kopfschmerz auf.

DDP (Delivered Duty Paid / Geliefert verzollt) — Die „teure Bequemlichkeit“

Was es bedeutet: Das genaue Gegenteil von EXW. Der Lieferant kümmert sich buchstäblich um alles. Er versendet es, übernimmt die Exportverzollung, bezahlt die Seefracht, kümmert sich um die Importverzollung in Europa, zahlt die Mehrwertsteuer/Zölle und liefert es direkt in deine Garage oder in das Lager deines 3PL-Dienstleisters.
Die Realität für Gründer: Es klingt wie ein absoluter Traum für einen vielbeschäftigten, gebootstrappten Gründer, oder? Falsch. Diese Bequemlichkeit hat einen massiven, versteckten Preis. Lieferanten sind Hersteller, keine Logistikexperten. Wenn sie dir einen „All-in“-DDP-Preis nennen, schlagen sie einen massiven Puffer auf die Frachtrate auf, um ihren eigenen Gewinn zu schützen. Wenn es außerdem zu einer Verzögerung im Hafen kommt, hat dein Lieferant keinerlei Dringlichkeit, diese zu beheben, und du hast absolut keine Transparenz darüber, wo sich dein Inventar befindet.
Das Fazit für Startups: DDP ist in Ordnung für deine allererste 10-kg-Musterbox. Aber sobald du Paletten oder Container versendest, wird DDP deine Margen still und heimlich ausbluten lassen. Du zahlst einen Aufpreis für einen massiven Kontrollverlust.

FOB (Free On Board / Frei an Bord) — Der „Startup Sweet Spot“

Was es bedeutet: Der Lieferant kümmert sich um den lokalen Transport und die Exportverzollung in seinem eigenen Land und bezahlt dafür, dass deine Fracht physisch sicher auf das Schiff verladen wird.
Die Realität für Gründer: Die Haftung geht auf dich über, sobald die Fracht „sicher an Bord“ des Schiffes ist. Von da an übernimmst du (und deine europäische Spedition) die Hauptstrecke der Reise und die Importverzollung.
Das Fazit für Startups: Dies ist der Goldstandard für skalierende E-Commerce-Marken. Warum? Es bietet dir die perfekte Balance aus Kontrolle und Kosteneffizienz. Du musst dich nicht durch fremde Exportbürokratie kämpfen (das macht der Lieferant), aber du kannst deine eigene Spedition wählen, um die besten See-/Luftfrachtraten auszuhandeln. So bleiben deine Kosten völlig transparent und deine Margen geschützt.

Die goldene Fracht-Regel für Gründer

Lass niemals deinen Hersteller deine Logistik diktieren.
Wenn du den Lieferanten als deinen Spediteur agieren lässt (wie bei DDP), verlierst du die Kontrolle über deinen Runway. Wenn du zu viel Risiko auf dich nimmst (wie bei EXW), setzt du dein Unternehmen einer Katastrophe aus.
Für 90 % der Startups ist FOB das Zauberwort. Es erlaubt deinem Hersteller, das zu tun, was er am besten kann (Produkte herstellen), und es ermöglicht dir, einen engagierten Logistikpartner (wie SME-Europe) zu beauftragen, um das zu tun, was wir am besten können: deine Fracht schützen, deine Routen optimieren und deine Margen eisern verteidigen.
Wenn du das nächste Mal ein Angebot von einem Lieferanten erhältst, frage nach dem „FOB-Preis“ – und leite es dann an deine Spedition weiter. Die Einsparungen könnten locker deine nächste Marketingkampagne finanzieren.

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